Einladung zum Anständigsein

In „Die Zeit“ Ausgabe 38 findet sich ein Beitrag mit dem Titel  „Die Lust an der Vergeblichkeit“. Es geht darin nicht um Onlinedating. Es geht um Politik und um „… Treffen, die nicht stattfinden; Ereignisse, die ausbleiben; Sätze, die ungesagt bleiben …“ Das alles kommt bekannt vor. Spielt sich so auch außerhalb politischer Umtriebe statt. Auch und ganz besonders bei der Partnersuche im Internet.

 

 

Die ausgetauschten Nachrichten schienen ehrlich und signalisierten Interesse. Das Telefonat war angenehm und machte Lust auf ein Kennenlernen. Das erste Date verlief harmonisch. Und dann? Nichts mehr. Er (oder sie – die Geschlechter bleiben sich in Hinblick auf fehlenden Anstand nichts schuldig) meldet sich einfach nicht mehr. Reagiert auf keine Nachrichten, Anrufe. Entzieht sich. Unerklärt und unerklärlich.

WAS SOLL DAS?

Wieso kann, wenn einer der Beteiligten draufkommt, dass es doch nicht passt für ihn, am Ende kein anständiger Schlusspunkt gesetzt werden?  Mutige Selbstpräsentationen, vollmundige Erfolgsgeschichten, selbstsichere biografische Darstellungen. Und dann fehlt diesen Typen der Anstand, sich höflich zu verabschieden. Ob es Gedankenlosigkeit ist, fehlende Erziehung, Feigheit oder was auch immer ist, interessiert mich nicht. Dieses Verhalten ist einfach nur degoutant. Es ist lächerlich, entlarvt und karikiert.

Aus diesem Grund auch der Aufruf zur Anständigkeit, an die, die ihn bisher nicht bewiesen haben. Sagen Sie am Ende „Auf Wiedersehen“. Das kann doch nicht so schwer sein.

Und für jene, die sich verständnislos und gekränkt fragen „Warum ruft er mich nicht an?“: Vergessen Sie diesen Schnösel. Er mag interessant und attraktiv sein, doch er ist wertlos. Akzeptieren Sie die Lust an der Vergeblichkeit als fixen Bestandteil Ihrer Partnersuche. Und wenn es Ihnen danach besser geht, kaufen Sie sich ein kleines Voodoo-Püppchen und spicken Sie es an den Stellen, wo es besonders weh tut.

 

Bild: Die Zeit, Ausgabe 38/14.9.2017, Illustration Peter M. Hoffmann

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