RichMeetBeautiful® – na und?

Kurz empört die Wiener Zeitung sich über den Grat zwischen Dating und Prostitution. Lang berichtet sie über fehlende Bewilligungen für die Werbeoffensive, Straßenverkehrsordnung, Gebrauchsabgabengesetz, polnische Reklamehersteller und ungarische Kennzeichen.

Aufgeregt hat RichMeetBeautiful, bzw. deren Kampagne vor Österreich auch schon in Belgien und Frankreich. Nur in Norwegen nicht. Da kommt das Datingportal her, das Sugardaddy oder Sugarmom mit Sugarbaby zusammenführen will.

Vor Facts&Figures und einem ersten Erfahrungsbericht meine persönliche Meinung:

Mich amüsiert die kollektive Entrüstung von Medien und Öffentlichkeit. Das was RichMeetBeautiful hier anbietet, ist eine Dienstleistung in glasklarer Ehrlichkeit. Und die Paarungsmotivation, die hier offen angesprochen wird, ist Alltag auf allen Datingportalen. Nur kommt sie dort eben vernebelt daher. Beziehungen, die erwachsene Menschen einvernehmlich miteinander eingehen, sollten nicht Inhalt öffentlicher Diskussionen und Wertungen sind. Jene, die sich auf dieses RichMeetBeautiful-Spiel einlassen, haben ihre Beweggründe. Und wenn diese nicht auf Fortpflanzung und Eigenheim ausgerichtet sind – na und? Der Deal, den Sugardaddys, Sugarmoms und Sugarbabys hier eingehen, ist eindeutig definiert. Jeder weiß, woran er ist und was er zu erwarten hat. Ist das nicht wesentlich ehrlicher, als Liebe vorzutäuschen, wo keine ist?

Aktuell sind es 7.000 Österreicher, die auf RichMeetBeautiful nach einem passenden Pendant suchen. Sigurd Vedal, Geschäftsführer der Datingwebsite wird in vienna.at mit einem hehren Ziel für Ende 2017 zitiert: „100.000 Mitglieder.“ Die fehlenden 93.000 Mitglieder sollten bei anhaltender Empörung und damit verbundener Werbewirkung aber durchaus erreichbar sein.

RichMeetBeautiful definiert sich selbst als „Sugar-Dating-Netzwerk für erwachsene Männer und Frauen ab 18 Jahren, die eine für beide Seiten zufriedenstellende Beziehung suchen.“ Was ich, neben den auf der Plattform angeführten „erfolgreichen Führungskräften, leidenschaftlichen Unternehmern und vielbeschäftigten Universitätsstudenten“, nicht einordnen kann, ist die „reife, alleinerziehende Mutter“. Alternde Alleinerzieherinnen werden sich weder einen Sugarboy halten können, noch sind sie Primärziel von spendablen Sugardaddys. Da sollten die Betreiber vielleicht noch etwas nachfeilen.

Neben der teilweise sehr lieblosen Übersetzung ins Deutsche, gibt’s auch bei der Usability einiges an Optimierungsmöglichkeiten: Bei meinem neugierigen Testlaufen scheiterte ich schon an der zweiten Aufgabenstellung nach dem Login. Das Fragefenster, das aufgeht, irritiert (zumindest mich): Gefragt wird: „Wer ist ein …“ Antwortoptionen: „Sugar-Baby“ oder „Sugar-Mommy“. Ich clicke versuchsweise auf Sugarbaby. Das Ergebnis zeigt mir vom 18-jährigen Pickelgesicht, über den 34-jährigen Tattoofreak bis zum 78-jährigen Waidmann jeden Typ Mann, den es auf allen Datingportalen dieser Welt gibt. Ob das jetzt Sugardaddys sind oder Sugarboys lässt sich nicht feststellen. Naja, war ja nur als Testlauf gemeint …

Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich mein Profil auf RichMeetBeautiful wieder lösche. Als Sugarbaby geh ich nicht mehr durch, als Sugarmommy steh ich nicht zur Verfügung.

 

PS: Ich habe im Nachgang zu meiner Profilerstellung auf RichMeetBeautiful eben Post von „VictoriaMilan“ erhalten.Auch dieses Portal wurde von Sigurd Vedal gegründet und mutet wie die skandinavische Kopie von AshleyMadison an. Wenns mit dem Sugardaddy auf RichMeetBeautful nichts wird, könnte ich mir dort immer noch einen „reichen verheirateten Mann“ abholen und eine „diskrete Affäre mit einem lokalen Liebhaber geniessen“.

 

Bild: mozi/Wienerzeitung.at

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