Zoosk … ein Leben lang?

Mein heldenhafter Autoren-Kollegen Helmuth Santler beschäftigte sich im Zuge unserer Buchrecherchen damit, wie man aus den Fängen von Dating-Apps wieder rauskommt. Zoosk war die größte der Herausforderungen, denen er sich stellen musste. In seiner Mail an die Zoosk-Betreiber fasst er das Erlebte zusammen: 

„Ich arbeite gerade mit einer Kollegin an einem Buch über Singlebörsen und habe mich zu diesem Zweck natürlich auch bei einigen angemeldet. Gestern stand dann das Thema Kündigung/Profillöschung auf dem Programm, was ich auf Zoosk.com durchspielte und Folgendes am Ende einer Schilderung der bis dahin erforderlichen wiederholten Bekundungen des Löschwillens notierte:

… Wieder öffnet sich eine neue Seite: „Schade, dass du uns verlässt. Was ist der Grund?“ Noch einmal werden alle Register gezogen: „Auszeit nehmen“ wird erneut angeboten, „neue Mitglieder in deiner Gegend“ zur Schau gestellt, jeder Klick auf eine der Antwortrubriken öffnet eine Schaltfläche „Auf Zoosk bleiben“ – neben der ein weiterer, allerdings nicht anklickbarer Button in verschämtem Blassgrau zu sehen ist mit der kryptischen Aufschrift „Deaktivierung verlängern“? Was es nicht gibt ist irgendetwas in Richtung: Danke und auf Nimmerwiedersehen, Mitgliedschaft jetzt definitiv und endgültig beenden. Es ist nur möglich, die Seite zu schließen. Das aber löscht den Account nicht. Es ist de facto nicht möglich, ein einmal bestehendes Zoosk-Profil wieder zu löschen. Noch am nächsten kommt die Option „Auszeit nehmen bis zu meiner Rückkehr“. Auch wenn Ihre Autoren keine Juristen oder Experten für Datenschutz sind: Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein und verstößt wohl gegen die eine oder andere einschlägige Rechtsvorschrift.

Heute morgen fand ich in meinen Mails die alltägliche Zusendung von Zoosk mit irgendwelchen erfundenen potenziellen Partnerinnen. Das beweist, dass tatsächlich nicht nur der Account nicht gelöscht wurde trotz zweimaligem Deaktivieren, sondern sogar getan wird, als hätte sich gar nichts verändert. Es verhält sich also genau so wie zum Ende des obigen Absatzes beschrieben.

Meine Frage an Sie nimmt auf den letzten Satz Bezug: Der kann so natürlich nicht stehen bleiben, sondern verlangt nach einer vernünftigen Auskunft aus berufener Quelle. Wie ist die Rechtslage in Bezug auf wo auch immer angelegten Profilen? Mein Rechtsempfinden sagt mir, dass es nicht sein kann, dass ich Daten, die ich irgendwo einspeise, von dort nie mehr wegbekomme. Andererseits sind die Daten ja vermutlich deren Eigentum? Bitte um Erklärung…“

Tage später kam von Helmuth die Info, dass er es doch noch geschafft hatte, aus Zoosk auszusteigen. Nicht mithilfe der Betreiber. Es war wohl eher das Durchhaltevermögen, das er aufbrachte. Und mit dessen Fehlen bei üblichen Zoosk-Usern die Betreiber das Geschäftsmodell offenbar aufrecht erhalten.

Bild: wikimedia.org

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